Sicherheit im Reitsport
Reithelme & Sicherheitswesten
Autor: Manfred Grebler
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Reithelme - Hinweise zur Benutzung

Ich finde es erschreckend, wie viel Gleichgültigkeit oder Unwissenheit im Hinblick auf die Benutzung von Helmen zu beobachten ist. Wenn Leute grundsätzlich ohne Helm reiten, nun das ist letztlich deren Sache, muss man nicht unbedingt kommentieren. Aber wenn jemand mit Helm reitet, gehe ich eigentlich davon aus, dass man den Helm bewusst aufsetzt der Sicherheit wegen. Uralte und womöglich beschädigte Helme geben aber genauso wenig Sicherheit wie ein völlig falsch eingestellter oder zu locker geschlossener Helm.
Besonders fatal ist das in meinen Augen bei Kindern. Da wird auf dem Flohmarkt irgendein billiger Helm (Alter und Vorleben unbekannt) gekauft. (Wie viel ist diesen Eltern eigentlich das Leben ihrer Kinder wert?) Oder die Kinder kommen mit offensichtlich unpassenden oder völlig falsch eingestellten Helmen in die Reitstunde. Die Kinder können es nicht wissen, die Eltern haben oft auch keine Ahnung vom Thema, aber zumindest die Reitlehrer sollten darauf achten!
Über den Kauf eines vernünftigen Reithelms habe ich vorherigen Abschnitt geschrieben. Hier möchte ich daher Hinweise zu seiner korrekten Benutzung geben.

Korrekte Einstellung von Reithelmen

Schon beim Kauf muss natürlich darauf geachtet werden, dass der Helm bequem und richtig sitzt. Genauso wichtig ist aber im täglichen Gebrauch die richtige Größeneinstellung (bei größenverstellbaren Helmen) und die korrekte Einstellung der Begurtung.
Größeneinstellung:
Bei verstellbaren Helmen mit Drehrad ist die Größeneinstellung recht einfach. Man setzt den Helm auf und dreht solange am Rad, bis der Helm fest sitzt ohne zu drücken. Dabei kann man je nach Situation eventuell auch leicht varieren. Für einen längeren Wanderritt wird man vielleicht eine etwas lockerere Einstellung bevorzugen, bei einer Springstunde hält man für die begrenzte Zeit auch eine engere Einstellung gut aus. (Wobei die Unterschiede nie besonders groß sein werden!)
Manche Helme (insbesondere die Casco Modelle mit "Ergomatic Size") bieten Klettstreifen, die man seitlich und/oder vorne einlegen kann, um die Passform zu optimieren.
Es gibt Helme mit zusätzlichen Einstellmöglichkeiten, diese werden zum Beispiel als "3D" bezeichnet. Hier kann man (in engen Grenzen) die Breite seperat einstellen, ebenso in welcher Höhe der Helm sitzen soll. Meine Erfahrungen mit diesen Einstellungen sind eher zwiespältig: Zum Teil sind sie sehr fummelig zu verstellen oder halten dann gar nicht. Und der mögliche Nutzen hielt sich immer in Grenzen. Hier sollte man wirklich auf geschulters Fachpersonal im Laden hoffen, das bei der Einstellung hilft.

Links korrekte, rechts falsche Position des Y-Verteilers
Seitliche Einstellung der Beriemung:
Die meisten größenverstellbaren Helme (ausgenommen von Casco) erfordern eine seitliche Einstellung der Beriemung. Der sogenannte Y-Verteiler, wo sich die Riemen vom Kinn her kommend aufteilen zu den Bestigungspunkten vorne und hinten am Helm, muss eine bestimmte Position haben. Und zwar sollte er (auf beiden Seiten) knapp unter dem Ohrläppchen liegen! BEIDE nach oben abgehenden Riemen müssen bei der korrekten Einstellung straff sein und dürfen nicht viel Spiel haben. Diese Einstellung ist je nach Helm manchmal etwas aufwendig jedoch unbedingt nötig. Eigentlich sollte beim Kauf im Fachhandel ein guter Verkäufer hier behilflich sein. Leider sieht die Praxis oft anders aus. - KEINESFALLS darf dieser Y-Verteiler im Bereich des Kinns liegen!
Leider ist der Y-Verteiler bei manchen Helmen ein Schwachpunkt. Perfekt gelöst ist es meiner Meinung nach bei Uvex Helmen. Bei anderen Helmen laufen die Riemen nach oben parallel heraus, was zwar billig in der Herstellung ist aber eigentlich unsinnig, da sie sich ja dann aufteilen müssen. Auch gibt es Helme, wo der Verteiler sich ständig lockert und rutscht.

Links ist der Kinnriemen deutlich zu locker. Rechts korrekt.
Kinnriemen:
Bei allen Helmen kann und muss man den Kinnriemen passend einstellen. Und hier ist meiner Beobachtung nach vieles im Argen, dabei ist dies eigentlich die einfachste Einstellung. Der Kinnriemen muss so eng wie möglich festgezogen werden !!! Ich würde sagen, maximal ein Finger darf zwischen Kinnriemen und Kinn passen. Wenn eine ganze Hand reinpasst, dann ist die Einstellung viel zu locker!
Ein korrekt passender und eingestellter Helm (also Kinnriemen plus ggf. seitliche Begurtung) darf mit normaler Handkraft nicht wesentlich nach vorne oder hinten geschoben werden können.
Bei einem zu locker eingestellten Kinnriemen hingegen, kann der Helm meist weit ins Gesicht oder in den Nacken rutschen. Dies passiert bei einem Sturz dann sehr leicht noch bevor man am Boden aufkommt. Ein derart verschobener Helm bietet dann meist keinen ausreichenden Schutz mehr und kann sogar zu schweren Verletzungen führen. (Ein gebrochenes Nasenbein ist dabei noch das kleinste Übel!)

Bei diesem älteren Casco Helm liegt der Y-Verteiler völlig falsch und der Kinnriemen ist offensichtlich viel zu locker eingestellt. Der Helm lässt sich fast beliebig weit nach hinten oder vorne verschieben. Bei einem Sturz ist der Helm so im günstigsten Fall eher wirkungslos, kann aber auch zu schweren Verletzungen führen!

Alle Fotos: © Manfred Grebler
Auch bei diesen Bildern mit aktuellen Helmen ist der Kinnriemen deutlich zu locker eingestellt!

Pflege von Reithelmen

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, dass man seinen Helm, vom dem schließlich das Leben abhängen kann, sorgfältig und pfleglich behandelt. Dazu gehört - im Rahmen der Möglichkeiten - eine trockene und dunkle Lagerung bei Nichtgebrauch. Keinesfalls sollte der Helm starker Hitze oder ständiger Sonneneinstrahlung ausgsesetzt werden, also Vorsicht im Auto! Ein verschwitzter Helm sollte auch die Möglichkeit haben zu trocknen. Manche Helmbeutel sind praktisch luftdicht, diese sind daher nicht zu empfehlen. Und natürlich darf ein Helm nicht auf den Boden fallen!
Immer wieder sieht man auch Helme, die mit Aufklebern usw. verziert wurden. Davon möchte ich dringend abraten! Klebstoffe und Farben können den Kunststoff des Helms angreifen und somit die Schutzwirkung beeinträchtigen.
Zur äußerlichen Reinigung empfiehlt sich laumwarmes Wasser, keinesfalls dürfen scharfe Reinigungmittel verwendet werden. Soweit das Innenfutter herausnehmbar ist, kann man dieses natürlich waschen, es sollte aber vollständig trocken sein, bevor man es wieder in den Helm einsetzt.

Lebensdauer

Nach einem Sturz auf den Kopf sollte ein Reithelm unbedingt ersetzt werden, auch wenn äußerlich keine Beschädigungen erkennbar sind. (Dies gilt übrigens auch dann, wenn der Helm versehentlich auf harten Boden fällt!) Durch den Sturz können im Dämpfungsbereich des Helmes Risse entstanden sein, wodurch bei einem weiteren Sturz die Schutzwirkung des Helmes deutlich reduziert wäre.
Im Einzelfall mag es schwierig abzuschätzen sein, ob man bei einem Sturz wirklich auch mit dem Kopf aufgeprallt ist und somit ob der Helm ersetzt werden muss. Das muss dann jeder selbst nach eigenem Gewissen entscheiden.
Aber auch ohne Sturz halten Reithelme nicht ewig. Die verwendeten Kunststoffe unterliegen (wie alle Kunststoffe) einem gewissen Alterungsprozess, wodurch sich die Dämpfungseigenschaften irgendwann deutlich verschlechtern. Oft wird gesagt, dass ein Helm nach 5 Jahren Gebrauch ausgetauscht werden soll. Eine solche Angabe kann natürlich nur ein grober Richtwert sein, denn die Alterung hängt maßgeblich von äußeren Einflüssen ab. Ein Helm der tagtäglich bei jedem Wetter im Freien getragen wird, sollte schon deutlich früher als nach 5 Jahren ausgetauscht werden, denn bei extremen Temperaturen, starker UV-Strahlung und Feuchtigkeit altern Kunststoffe wesentlich schneller.
In diesem Zusammehang sollte beim Kauf eines Helmes auch unbedingt auf das Produktionsdatum geschaut werden. Dieses ist immer im Helm auf einem Etikett aufgedruckt. Auch im Geschäft liegende Helme altern, wenn natürlich auch viel langsameer als bei Benutung. Ein Helm, der vor 3 Jahren produziert wurde, kann daher nicht mehr so lange benutzt werden, wie ein Helm, der weniger als ein Jahr alt ist. Solche "Ladenhüter" sollte man daher wenn überhaupt nur als Restposten mit deutlichem Preisnachlass kaufen und entsprechend früher austauschen.
Das absolute "End of Life" für einen Reithelm würde ich spätestens bei 10 Jahre nach Produktionsdatum (!) sehen. In der Regel sollte ein Helm aber wie oben geschrieben schon deutlich eher ausgetauscht werden.
Und Bitte: Helme die man wegen Sturz oder Alter austauscht, dann wirklich entsorgen und nicht auf eBay oder Flohmärkten an Unwissende weiterverkaufen!

Reithelm im Winter

Beim Ausreiten in der kalten Jahreszeit stellt sich früher oder später das Problem, das es nur mit einem Helm auf dem Kopf zu kalt wird. Zuerst friert man an den Ohren, bei entsprechenden Temperaturen und/oder Wind aber auch am gesamten Kopf, vor allem mit einem sonst so angenehmen, gut belüftetem Helm. Hier gibt es inzwischen mehere gute Möglichkeiten der Abhilfe:

Ohrenpolster

Es gibt von diversen Reitsportanbietern "Ohrenpolster", die man am Helm befestigen kann, um die Ohren warm zu halten. Je nach Ohrenpolster und Reithelm funktioniert das mehr oder weniger gut, das muss man im Einzelfall ausprobieren.

Winter-Innenausstattung

Einige Helmhersteller bieten für einzelne Modelle komplette Winter-Innenausrüstungen an. Das normale Innenfutter wird dabei herausgenommen und durch ein wärmeres mit Ohrenschutz ersetzt. Bei Casco sind solche Winter-Ausrüstungen für fast alle Modelle im Angebot.
KED bietet ein Winterset für den Helm "Xilon" an.

Mütze oder Sturmhaube

Es gibt inzwischen sehr dünne und dennoch warme, elastische und enganliegende Mützen und Sturmhauben, die man im Winter meist problemlos unter einem Helm tragen kann, zuminest solange der Helm in der Größe etwas verstellbar ist. Man sollte hierbei jedoch auf hochwertige Produkte achten, die elastisch genug sind und keineswegs irgendwo eine dicke Naht haben dürfen.
Besonders empfehlen kann ich hier die Odlo Stretchmütze "Polyknit". (*)
Wenn es noch kälter ist empfiehlt sich zum gleichzeitigen Kälteschutz von Hals und Nacken eventuell auch eine dünne "Sturmhaube", auch hier kann ich die Produkte von Odlo sehr empfehlen:
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